CrossFit Diary

CrossFit Diary | No. 4

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Schluss mit den Vorurteilen – mein Lieblingsthema !

Vorurteile begleiten mich eigentlich, seitdem ich denken kann oder seitdem ich bewusst denke?! Ich weiß es nicht.

Als Kind mit dunklen Haaren, dunklen Augen und einem unaussprechlichen Namen, waren schon immer viele Menschen erstaunt, dass ich akzentfrei einen geraden Satz herausbringen konnte – komisch! Ist doch meine Muttersprache und normal, dass ich diese beherrsche.

Bin ich so anders?

Allgemein beginnt man erst dann sich selbst “in Frage zu stellen“, wenn Dinge, die für einen selbstverständlich sind, be- oder verurteilt werden. Multikulturell aufgewachsen, frei von politischen und religiösen Stigmatisierungen seitens meiner Eltern bemerkte ich schnell, dass wir doch irgendwie “anders“ waren und das nicht nur in meiner Heimat Deutschland; auch im Urlaub, in Kroatien dem zu Hause meiner Eltern, waren wir – ich gehe einen Schritt weiter – “nicht normal“. Und nun?

Mein Vater Moslem, meine Mutter Christin – das war schon eimal ein großes ‘no go’. Weder der eine noch die andere lebten ihre Religionen aus und gaben meiner Schwester und mir volle Entfaltungskraft (Good Job an dieser Stelle).

Ich war in so gut wie jeder Szene einmal ‘zu Hause’

Da ich neben einigen Regeln doch viele Freiheiten hatte, probierte ich mich in vielem aus. Ich war zu Teenie Zeiten in so gut wie jeder “Szene“ zu Hause und musste einige Kopfschüttler meiner Eltern als auch meiner Mitmenschen in Kauf nehmen. Mit 13 stellte ich früh fest, dass ich es doof fand, wie jeder andere in meiner Klasse auszusehen und immer mit den Trends zu gehen, die nichts mit Mode zu tun hatten, sondern eher mit Vorschriften. Zu meiner Zeit waren es damals unter anderem Eastpaks – wehe Du hattest nicht mindestens den Rucksack, das Portmonee und die Federmappe davon. Am besten noch Turnbeutel, Umhängetasche, Bauchtasche und sämtliche andere Utensilien.

Hast Du nicht Dies oder Jenes, warst Du raus. Auch ich besaß den Rucksack samt Portmonee und Federmappe und da fing das Umdenken im Kopf statt – war es so wichtig durch Materialien und Anpassung dazu zu gehören? Ging das nicht anders?

Baggy-Pants, Skater Schuhe und die coolen Kids

Ich dachte, ich schmeiße meinen Hintern in Baggy-Pants oder lasse diesen aus selbigen heraushängen, trage dicke Skater-Schuhe und verbring meine Zeit nach der Schule ein bisschen bei den coolen Kids mit dem Brett oder Rollen unter den Füßen. Nach kläglichen Versuchen und schmerzhaften Stürzen blieb ich auch tatsächlich lieber dekorativ auf der Half-Pipe sitzen und guckte den anderen zu.

Was sollen nur die Nachbarn denken?

Vom Pop, Hip Hop und Rap, ging es langsam in die rockigere Richtung und somit zum Skate-Punk. Bunte Haare mussten her, die Jeans und Strumpfhosen wurden konsequent alle zerschnitten und zerrissen und Mutti schlug die Hände über den Kopf zusammen.. “Was sollen nur die Nachbarn denken” – ja was dachten die wohl in einem kleinen Vorort von Bielefeld wohl von mir? 😉 Meine Eltern gewöhnten sich daran – die Nachbarn auch, denn das Mädchen von nebenan ist dennoch nett und hilfsbereit geblieben wie vorher, nur  in Bunt.

Nicht nur bunt auf dem Kopf…

Mit 18 war ich schon recht bunt, nicht nur auf dem Kopf, sondern nun auch am Körper und um viele Erfahrungen mit Reaktionen von Mitmenschen reicher. Von Vorurteilen wie: asozial, drogenabhängig, arbeitslos und gewalttätig – war alles dabei. Das ich offen und so gut es ging Vorurteilsfrei erzogen wurde, meine Eltern mir viele Freiheiten gelassen haben, da sie wussten, dass ich dennoch den selben Kern habe und ich seit meinem 15ten Lebensjahr neben der Schule immer gearbeitet habe, das wussten sie nicht. Auch nicht, dass ich weder Drogen konsumiere noch – haltet euch fest – nicht einmal rauche (und nein, ich habe nicht aufgehört, ich habe dies einfach nie für sinnvoll gehalten).

In Schlägereien war ich auch noch nicht verwickelt und weder saß ich im Knast, noch bin ich vorbestraft. Wie langweilig 😉

Interessant ist es dennoch, sofort in einer Schublade zu landen und drin zu stecken. Dort wieder heraus zu kommen ist nicht so einfach. Spannend sind immer noch die Reaktionen von den meisten Menschen, mit denen ich dann näher ins Gespräch komme und von denen ich meistens am Ende des Gesprächs oder im Verlaufe der Zeit immer ähnliche Sätze höre wie:

“Du bist ja ganz normal” und “Ich hatte Dich ganz anders eingeschätzt”

Und jetzt wieder die Frage: Bin ich so anders? Und wenn ja: Warum?

Ist es die Offenheit, anderen Menschen gegenüber oder ist es die Toleranz, nicht alles sofort zu verurteilen? Die Neugierde, Neues zu entdecken und sich neuen Herausforderungen zu stellen?

Nein, es ist das Äußere. Meine bunten Haare sind einem blond gewichen, die zerrissenen Punker Klamotten machten Platz für modische als auch schicke Kleidung und mein Körperschmuck hat sich auf zwei Tunnel und einen Nasenring minimiert. Aber! Ich bin tätowiert, das auch noch als Frau und an für alle anderen sichtbaren Stellen. Nicht nur ich habe mit Vorurteilen zu tun. Jeder, der “anders” ist und der gesellschaftlichen Norm nicht entspricht kennt genau diese Momente. UND !!! Auch in ‘Subkulturen’ gibt es Regeln.. Hast du nicht Dies oder Jenes, bist du raus.. – Kommt Euch das auch so bekannt vor, wie mir? 😉 War also auf Dauer auch nichts für mich und ich hab weiter mein Ding gemacht.

Was mein ganzes Gesülzte mit Sport zu tun hat? Und in erster Linie mit CrossFit? Alles, was “neu“ oder “anders” ist (und das ist CrossFit noch nicht einmal – es besteht seit den 80er Jahren) ist erst einmal doof und wird durch den Fleischwolf gejagt. Im nächsten Beitrag räume ich mit den CrossFit Vorurteilen auf und erzähle Euch noch ein Paar hard Facts dazu.

Beim CrossFit bleibt das Ego draußen

Vorurteile, Klischees und Schubladen gehören also zu meinem Alltag – amüsant ist, dass dies für mich „normal“ geworden ist. Weder stören mich die Blicke der anderen, noch bemerke ich, wenn jemand wegen mir die Straßenseite wechselt. Ich höre nicht darauf, wenn einer zu mir sagt, ich höre ‘die falsche Musik’ oder trage ‘die falschen Klamotten’. Ist schließlich deren Problem und nicht meins 😉 Und vielleicht fühle ich mich auch deswegen so wohl beim CrossFit – in unseren Sportsachen, in unserer Box und während des Trainings sind wir alle gleich! Ob zu viel, zu wenig, ob zu klein, zu groß, zu normal oder eben auch nicht – wir haben alle ein Ziel! Jeder für sich das Beste geben und gleichzeitig als Team uns gegenseitig zu motivieren und zu stärken.

MITEINANDER – nicht GEGENEINANDER!

xoxo #Zugar

Zugar

Vivi Scissors alias Zugar- das Pendant zu Zalt. Bekanntes Fitness und Tattoo Model aus Hamburg.

5 Comments

  1. Norman

    3. März 2015 at 12:47

    Aloha Vivi,

    das waren sehr ehrliche und vor allem so richtige Worte. Danke dafür. Ich denke, da draußen gibt es wahnsinnig viele Menschen, denen es ganz ähnlich geht oder ergangen ist, wie Dir. Auch ich habe mit Vorurteilen zu “kämpfen”, auch wenn diese mich weitestgehend kalt lassen. Schwer tätowiert zu sein, daran hat sich mein Umfeld gewöhnt. Dass ich dick bin, daran wohl auch. Jetzt ist es der Bart, der hier und da für Kopfschütteln oder unangebrachte Kommentare sorgt. Nein, ich bin weder Moslem noch IS-Kämpfer noch Terrorist oder ein sonstwie schräger Hipster. Ich trage Bart – weil ich es kann!

    Keep on going your way!

    Norman

    • Zugar

      Zugar

      4. März 2015 at 13:08

      Danke für die Worte lieber Norman.
      Die Leute finden immer irgendwas, wenn Du nicht aussehen willst, wie jedermann.. Und selbst wenn Du dies tust, wird es immer jemanden geben, der es anprangert. Da stehen wir drüber, würd ich sagen 😉

      Keep Your head up !

      Vivi

  2. lutz

    3. März 2015 at 12:54

    Liebe Vivi!

    Nur zu gut weiß ich was es bedeutet mit Vorurteilen konfrontiert zu sein. Vielleicht bin ich nicht der sportlichste, vielleicht entspricht meine Figur eher Buddha als Adonis aber ich bin stark und motiviert und leben mein Leben!

    DANKE für deine Worte 🙂

    • Zugar

      Zugar

      4. März 2015 at 13:10

      So soll es sein lieber Lutz,
      schön, dass auch Du dies kennst. Ganz gleich, wie Dein oder mein Jetzt-Zustand ist, es kommt auf das Ziel an und dass man dies im Fokus behält. Mach weiter so und bleib motiviert!

      Keep on, going on!

      Vivi

  3. maco

    4. März 2015 at 17:03

    fuck the norm (lebenseinstellung) 🙂

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